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Wynonna: The Hard Truth (Review)
| Artist: | Wynonna |
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| Album: | The Hard Truth |
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| Medium: | CD/LP/Download | |
| Stil: | Singer/Songwriter, Country, Americana |
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| Label: | ANTI-Records | |
| Spieldauer: | 39:59 | |
| Erschienen: | 02.10.2026 | |
| Website: | [Link] |
Da sage nochmal jemand, man könne einem alten Hund (bzw. in dem Fall einer älteren Künstlerin) keine neuen Tricks mehr beibringen. Auf ihrem zehnten Solo-Album präsentiert sich die US-Country-Legende WYNONNA JUDD nämlich erstmalig als Songwriterin in eigener Sache – während sie bislang als Interpretin immer auf das Material anderer oder aber Cover-Versionen zurückgriff.
Zugegebenermaßen war sie dabei nicht alleine tätig, aber das ganze Album enthält nur Original-Songs, die im Kreise der erweiterten Familie Judd bzw. Moser entstanden (ihr voller Name lautet WYNONNA ELLEN JUDD MOSER) und im familiären Umfeld eingespielt wurden, wobei Ehemann CACTUS MOSER nicht nur als Songwriter und Schlagzeuger, sondern auch als Produzent fungierte, während Stiefsohn WYATT MOSER als Bassist mit an Bord war.
Aber das ist noch nicht alles: WYNONNA entschloss sich, auf diesem Album mit jüngeren Musikern zusammenzuarbeiten, um frischen musikalischen Wind in die Bude zu bekommen. So finden sich gleich vier Duette auf dem Album. Zwei Tracks spielte die Musikerin mit dem Soul- und Gospel-Duo WAR AND TREATY ein, den Song „Everything“ (der die unsterbliche Zeile: „Everything is not okay, but I’m okay with everything“, enthält) performte sie mit PATTERSON HOOD von den DRIVE BY TRUCKERS und das Stück „Hear Me Now“ schrieb sie zusammen mit SAM BEAM a.k.a IRON & WINE, der zusätzlich als Gitarrist und Sänger gastierte.
So kommt es nicht von ungefähr, dass WYNONNA auf diesem Album viele Klangfarben zur Verfügung standen und das Ergebnis überhaupt nicht mehr wie eine typische Country-Scheibe klingt. Wenn dieses Genre doch bemüht wird, wie in dem autobiographisch geprägten „Kentucky Queen“, dann geschieht das mit einem selbstironischen Augenzwinkern, das die Klischees des Genres zugleich auf die Schippe zu nehmen scheint. Im dazugehörigen Video geht WYNONNA sogar noch einen Schritt weiter und präsentiert sich als Gitarre-schwingende Märchenkönigin – ganz ähnlich, wie sie sich das in ihrer Kindheit immer wünschte und vorstellte.
Ansonsten gibt es so ziemlich alles zwischen Appalachian-Porch-Folk-Vibes (im Opener „All Downhill From Ashland“), souligem Blues („Everything“), Folk-Balladen („Broken and Blessed“), den bereits erwähnten Country-Elementen und sogar erdigem Heartland-Rock (mit dem Track „Drive“ lehnt sich Team JUDD jedenfalls am weitesten aus dem Country-Fenster).
„The Hopeful Lie“ ist dann ein waschechter Gospel-Track und der letzte Song „Love Ain’t Got The Best Of Me“ kommt gar als knackiger Stax-Soul-Stomper daher.
„The Hard Truth“ ist das erste Album seit dem Freitod von WYNONNAs Mutter Naomi Judd – einen Tag bevor sie gemeinsam als THE JUDDS in die Country Hall Of Fame aufgenommen werden sollten. Das wird natürlich auch auf diesem sehr persönlich ausgerichteten Album thematisiert – etwa indem sie gleich den ersten Song „All Downhill From Ashland“ als eine Art Brief an ihre verstorbene Mutter gestaltet. Zusätzlich beschäftigt sie sich in „Girl Who Could Sing“ mit dem Verhältnis zu ihrem Vater und erinnert in „Kentucky Queen“ an ihre Kindheit. Alles nicht romantisch verklärt, sondern auch die negativen Aspekte thematisierend.
In dem Spiritual „Broken And Blessed“ wendet sich WYNONNA ihrem Verhältnis zur Religion zu. Das ist insofern von Interesse, als dass sie zuvor größtenteils über „Liebeskummer, Heilung, Glauben und das Überleben” sang, wie sie selbst feststellt. Nie aber so ungefiltert und persönlich über sich selbst (Was natürlich auch damit zu tun hat, dass sie bislang keine eigenen Songs schrieb!) Auskunft gab.
Übrigens existiert auf diesem Album kein echter Schlusspunkt. Der letzte Track „Love Ain’t Got The Best Of Me“ deutet ja bereits im Titel an, dass es für WYNONNA ähnlich weitergehen wird – schließlich hat sie noch eine Rechnung in puncto Liebe offen.
Vielleicht gibt es bereits ein paar neue Tricks, die nur noch gelernt werden wollen?
FAZIT: Mit „The Hard Truth“ gelingt WYNONNA ein bemerkenswertes Comeback-Album, das sich schon alleine deswegen lohnt, weil es so lebendig und modern klingt - aber besonders, weil wirklich viele neue Aspekte aus Sicht der Musikerin berücksichtigt wurden. So lässt sich „The Hard Truth“ nicht wirklich als reifes Alterswerk einordnen. Die Reise geht für WYNONNA JUDD unverkennbar weiter!
- 1-3 Punkte: Grottenschlecht - Finger weg
- 4-6 Punkte: Streckenweise anhörbar, Kaufempfehlung nur für eingefleischte Fans
- 7-9 Punkte: Einige Lichtblicke, eher überdurchschnittlich, das gewisse Etwas fehlt
- 10-12 Punkte: Wirklich gutes Album, es gibt keine großen Kritikpunkte
- 13-14 Punkte: Einmalig gutes Album mit Zeug zum Klassiker, ragt deutlich aus der Masse
- 15 Punkte: Absolutes Meisterwerk - so was gibt´s höchstens einmal im Jahr
- Prelude (All Downhill From Ashland)
- All Downhill From Ashland (ft. War & Treaty)
- Everything (ft. Patterson Hood)
- AM I Missing Out
- Broken And Blessed
- Hear Me Now (ft. Iron & Wine)
- The Hopeful Lie (ft. The War & Treaty)
- Kentucky Queen
- Girl Who Could Sing
- Drive
- Love Ain’t Got The Best Of Me
- Bass - Russ Paul, Dow Tomblin, Wyatt Moser
- Gesang - Wynonna Judd
- Gitarre - Justin Weaver, Patrick Lyons
- Schlagzeug - Cactus Moser
- The Hard Truth (2026) - 13/15 Punkten
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